
Storytelling
Storytelling ist eine Erzählmethode, mit der Wissen in Form von Symbolen, Metaphern, Anekdoten, Beispielen und anderen Mitteln der Rhetorik weitergegeben wird (Wikipedia, 2022). Diese ganz spezielle Erzählmethode eignet sich super um anderen Personen Emotionen zu vermitteln und sie in der Geschichte mitleben zu lassen. Im Alltag verwenden wir zu 65% Storytelling, wenn wir miteinander sprechen.

Um uns auf die zweite Lektion vorzubereiten haben wir zwei Videos geschaut, in welchen grundsätzlich die gleiche Botschaft vermittelt wird. Im einen Video wurden nur Fakten und Zahlen beschrieben. Im zweiten Video wurde dieselben Informationen in eine kleine Geschichte verpackt. Was ich beim Vergleich der beiden Filme festgestellt habe, ist, dass ich mir die Details der Kurzgeschichte viel besser merken konnte, als die Fakten des ersten Videos, welche rein rational berichtet wurden. Das dies tatsächlich bei der Mehrheit, der Personen die diesen Vergleich machen, auch so ist, bestätigte uns Jeannine in der Vorlesung. Dieses Phänomen kann folgendermassen erklärt werden: Wenn wir Fakten hören, werden genau zwei Hirnareale aktiviert. Wenn wir zusätzlich zu den Fakten eine Geschichte hören, mit der wir mitfühlen können, werden wesentlich mehr Hirnregionen (z.B. Geruchsverarbeitung und Emotionsentstehung) stimuliert, was uns dabei hilft uns später an das Gehörte zu erinnern.
Als nächstes folgte im Unterricht ein kleines Experiment. In Zweiergruppen trommelte die eine Person der anderen ein Lied vor, ohne andere Geräusche oder Hinweise. Die zuhörende Person sollte versuchen das Lied zu erraten. Praktisch niemandem im Raum gelang dies, obwohl für die Trommler völlig klar war um welches Lied es sich handelte. Dies zeigte uns, dass das, was wir anderen Menschen erzählen, teilweise ganz anders von ihnen wahrgenommen wird, als wir es beabsichtigen, weil sie sich nicht 100% in uns hineindenken können.
Gemäss Sven Preger werden Geschichten in drei Akte unterteilt. Dieses Modell entspricht gewissermassen dem Held:innen-Reise-Modell. Im ersten Akt, am Anfang der Geschichte werden Protagonist, Ort, Zeit und ein Ziel vorgestellt. Dann begibt sich der Hauptcharakter im zweiten Akt, dem Hauptteil, auf eine Reise ins Ungewisse. Es gibt Tiefpunkte, Höhepunkte und Wendepunkte. Hindernisse werden überwunden, bis schlussendlich das Ziel erreicht wird. Am Schluss, im dritten Akt, kehrt der Reisende wieder zurück in sein gewohntes Umfeld, wo bereits das nächste Abenteuer auf ihn wartet. Dieses Modell der Geschichtenerzählung übten wir Studierenden in 5er-Gruppen. Anhand von sogenannten Storycubes erfanden wir eine Geschichte, wobei diese Aspekte der Held:innen-Reise angewandt werden sollte.
Als Hausaufgabe zum Storytelling besteht der Auftrag, eine Bildergeschichte in drei Akten zu erzählen.
Bildbetrachtung
Bilder sagen mehr als 1'000 Worte. Jeder kennt dieses Sprichwort, doch ist es wirklich wahr? Um dies herauszufinden, teilten wir die Klasse in vier Gruppen auf, wobei jede Gruppe ein Bild zu beschreiben hatte. In einem ersten Schritt schrieben wir alles auf, was wir gesehen haben. In einem zweiten Schritt notierten wir, was wir dachten, sei auf dem Foto abgebildet. Wir sahen glückliche Hundebesitzerinnen, Theatervorbereitungen und Freunde, die miteinander einen Grill-Ausflug in den Wald machten. In einem Video wurde anschliessend erklärt, dass alle Bilder bei der Gassenarbeit, dem Schwarzen Peter, aufgenommen wurden. Dies zeigte sehr deutlich: Bilder sagen zwar mehr als 1'000 Worte, jedoch liegen diese immer im Auge des Betrachters.

Dieses Phänomen wird durch das Vier-Augen-Modell von Martin Zurmühle erklärt. Es besagt, dass wir Bilder durch vier Augen oder auf vier Ebenen, betrachten. Dies sind die Sachebene, die Appellebene, die Beziehungs- oder Gefühlsebene und die Selbstkundgabe / das Ich-Auge. Das lässt sich auch auf die Sprache übertragen. Schulz von Thun beschreibt so das Kommunikationsmodell: Der «Sender» kann eine Äusserung durch vier Schnäbel machen. Der «Empfänger» wiederum kann die Aussage mit vier Ohren annehmen. Dieses «Verständnis-Problem» kommt somit sowohl in der Bildbetrachtung als auch bei täglichen Gesprächen zwischen Personen vor.
Als Übung wählte ich selbst ein Bild aus, das mir gefällt und versuche es isoliert auf diesen vier Ebenen zu betrachten und zu analysieren.

Die Medien verwenden jeden Tag Bilder, um aus aller Welt zu berichten. Aus der nun gemachten Erkenntnis, wissen wir aber, dass wir sehr vorsichtig mit diesen Informationen umgehen müssen und nicht alles glauben dürfen. Die Bilder könnten manipuliert sein oder vermitteln auf Grund eines falschen Kontextes eine ebenso falsche Information. Bill Gates sagte einst: Wer die Bilder beherrscht, beherrscht die Köpfe.
Alle Arbeitsaufträge, die Kurzgeschichte mithilfe der Storycubes und 3-Akt-Bildergeschichte sowie die Bildanalyse nach Martin Zurmühle sind in «Arbeitsauftrag 2» zu finden.
REFLEXION
Dies war eine sehr informations- und aufschlussreiche Lektion. Was das Storytelling angeht, war ich selbst sehr beeindruckt, welche Effekte Art des Erzählens bewirken kann. Natürlich war mir bereits vorher bewusst, dass man Geschichten auf verschiedene Art und Weise berichten kann, dass man gewissen Personen gern und anderen weniger gern zuhört. Doch mir war nie bewusst, woran dies genau lag. Jetzt, da ich das nun weiss, kann ich bewusst versuchen dieses Wissen in Zukunft im täglichen Gebrauch, aber auch bei Präsentationen anzuwenden.
Bei der Übung mit den Storycubes bemerkte ich erst im Anschluss einen entscheidentden Fehler, den wir als Gruppe machten. Den Protagonisten haben wir nicht ausreichend vorgestellt. Man kann sich nicht wirklich in ihn hineinversetzen. Diesen Aspekt muss ich beim nächsten Mal auf jeden Fall mehr berücksichtigen. Obwohl hierbei zu sagen ist, dass es nicht einfach ist, in entsprechend kurzer Zeit eine Geschichte zu erfinden.
Was mir ebenfalls bei der gleichen Übung aufgefallen ist, ist dass einige Icons der Würfel von verschiedenen Personen der Gruppe anders wahrgenommen wurden. Beispielsweise war eine Hand abgebildet, welche einige als «Stopp» oder Hindernis interpretierten. Andere sahen darin eine helfende Hand. Erst war mir das nicht bewusst. Doch als wir in der Klasse über die Bildbetrachtung sprachen erkannte ich dieses Phänomen wieder.
Als wir gemeinsam verschiedene Bilder analysierten, war ich sehr verblüfft. Zwar kannte ich schon viele Bildvergleiche, bei denen dasselbe Foto nur durch ändern des Ausschnitts etwas komplett anderes aussagten. Dass ich jedoch bei der Bildanalyse der Gassenarbeit komplett daneben lag, hätte ich trotzdem nicht gedacht. Die in der Vorlesung betrachteten Beispiele sensibilisierten mich erneut, vorsichtig und kritisch mit Bildern und Videos aus dem Internet und Zeitschriften umzugehen.